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Rückblick 2004 in Niedersachsen

"Verstehen ist eine Sache des Herzens"

Die Anfänge der Arbeit mit Hörgeschädigten in der Gebietskirche Niedersachsen liegen in den Jahren 1971-73. Zu dieser Zeit wohnen in Braunschweig und Hildesheim Glaubensgeschwister, von denen Familienangehörige gehörlos sind.

In Braunschweig ist es von den Priestern Rainer und Ernst Knigge der Vater, der von Geburt an gehörlos ist. In der Verbandszeitschrift der Gehörlosen wird er auf Gottesdienste für Hörgeschädigte in der Neuapostolischen Kirche der Gebietskirche Nordrhein-Westfalen aufmerksam. Er besucht nun einmal im Monat die Gottesdienste, in Bielefeld-Sennestadt wird er 1971 aufgenommen und im gleichen Jahr in Dortmund durch Bezirksapostel Schiwy versiegelt.

In Hildesheim ist es Priester Petrik, der Kontakt aufnimmt zu Bezirksevangelist Günther Lierse, der die Seelsorge bei den Hörgeschädigten in Nordrhein-Westfalen verantwortlich koordiniert. Der Sohn von Priester Petrik ist gehörlos und kann nun in Bielefeld-Sennestadt unter das Wort Gottes kommen.

Im Jahr 1975 beauftragt Bezirksapostel Steinweg Priester Rainer Knigge, auch in Niedersachsen Gottesdienste für Hörgeschädigte anzubieten. Die Gemeindevorsteher werden über dieses Angebot informiert und aufgefordert, hörgeschädigte Glaubensgeschwister und Gäste zu diesen Gottesdiensten einzuladen. Im Frühjahr 1975 hält Bezirksevangelist Lierse aus Nordrhein-Westfalen in Hildesheim den ersten Gottesdienst in der Gebärdensprache. Dies ist der Beginn einer segensreichen Entwicklung in der Seelsorge für Hörgeschädigte in Niedersachsen.

In den Folgejahren werden parallel zu den Nachmittagsgottesdiensten in Hildesheim und Braunschweig von den Priestern R. und E. Knigge und W. Petrik Gottesdienste für Hörgeschädigte gehalten. Hörgeschädigte Geschwister aus den Gebietskirchen Hamburg und Berlin (West) erhalten davon Kenntnis und besuchen nun ebenfalls diese Gottesdienste in Niedersachsen. Der Kreis der gehörlosen Gottesdienstbesucher erweitert sich schnell auf ca. 15 Teilnehmer.

In Berlin (West) werden diese Gottesdienste 1989 eingeführt. Dazu fahren die Priester R. und E. Knigge einmal monatlich nach Berlin. Oft kommt es in Verbindung mit diesen Reisen auch zu Familienbesuchen bei hörgeschädigten Geschwistern und Gästen. Darüber hinaus werden Priester gefunden, die bereit sind, diese Arbeit zu unterstützen und die Gebärdensprache zu erlernen. Nach der politischen Wende wird Ostberlin in diese Arbeit eingebunden. Seit Ende des Jahres 1992 werden die Hörgeschädigten aus Berlin ausschließlich durch Priester aus Berlin-Brandenburg versorgt.

Von Niedersachsen aus geht auch ein Impuls in den norddeutschen Raum. Auf Veranlassung von Apostel Drave hält Priester Rainer Knigge 1991 den ersten Gottesdienst für Hörgeschädigte in der Gebietskirche Hamburg. Am 21. April 1991 treffen sich alle Hörgeschädigten und ihre Betreuer zu einem Gottesdienst in der Gebärdensprache in Hamburg-Altona.

Die Entwicklung in der Gebietskirche Niedersachsen macht weiter große Fortschritte. Um diese speziellen Gottesdienste werden zu lassen und alle Hörenden in diese Arbeit einzubinden wird 1989 entschieden, diese Gottesdienste gemeinsam in Gegenwart von Hörenden durchzuführen. Die Hörgeschädigten sind nun nicht mehr unter sich, sondern mit den jeweiligen Gemeinden zusammen. Weiter wird eine Änderung der Gottesdienstorte vorgenommen. Fanden früher die Gottesdienste nur in Braunschweig-Ost und Hildesheim statt, werden sie jetzt in der gesamten Gebietskirche Niedersachsen angeboten.

In jedem Monat wird in einer anderen Gemeinde der Gottesdienst für Hörgeschädigte durchgeführt. Durch diese Maßnahme wird in der ganzen Gebietskirche diese Arbeit publik. Die Hörenden, die diese Gottesdienste gern annehmen, haben die Möglichkeit, in ihrem Verwandten- und Bekanntenkreis dazu einzuladen. Der Kreis der ständig teilnehmenden Geschwister und Gäste erhöhte sich auf dreißig.

Höhepunkt dieser Arbeit war eine Zusammenkunft aller hörgeschädigten Glaubensgeschwister und ihrer Betreuer aus ganz Deutschland in Hildesheim. Bezirksapostel Klingler hatte zum 10. Juni 2001 hierzu eingeladen. Dieser Tag bereitete allen Teilnehmern eine unvergessliche Freude.

In den nunmehr fast 30 Jahren der Hörgeschädigten-Seelsorge in Niedersachsen wurden viele Begegnungen zu besonderen Segensstunden. Dazu zählen insbesondere die Gottesdienste, die der Bezirksapostel Klingler und die Apostel Burchard und Stegmaier hielten. Segensspendungen anlässlich von Taufen, Hochzeiten, Konfirmationen und Jubiläumshochzeiten wurden in diesem schönen Kreis erlebt.

Gegenwärtig trifft sich die "Hörgeschädigten-Gemeinde" einmal monatlich, in der Regel an jedem 3. Sonntag des Monats. Da die Geschwister und Gäste aus der gesamten Gebietskirche anreisen, beginnt der Gottesdienst erst um 10:30 Uhr. Im Gottesdienst wird der Chorgesang durch eine Gruppe Hörgeschädigter übersetzt. Normalerweise wird das vom Stammapostel angegebene Textwort verwendet. Ein anschließendes Zusammensein mit einem Imbiss dient einem schönen Gedankenaustausch.

Die meisten Gehörlosen besuchen auch regelmäßig die Gottesdienste in ihren Heimatgemeinden. Dort übersetzen Betreuer oder befähigte Geschwister die Predigt.

Zwei- bis dreimal im Jahr finden Seminare statt, in denen den Hörgeschädigten Grundlagen des neuapostolischen Glaubens wie die Gebote und Glaubensartikel, markante Bibelstellen u.a. erläutert werden.

Heute sind in dieser schönen Arbeit insgesamt acht priesterliche Ämter tätig, unter anderem auch Bischof Rainer Knigge. Sie werden von neun Diakonen unterstützt. Es ist schön festzustellen, dass jetzt auch einige junge Amtsbrüder die Gebärdensprache erlernen und so in diese wertvolle, besondere seelsorgerische Arbeit hineinwachsen.

H.-W. B.

 

Braunschweig 1978

Vöhrum 1997

Lehrte 2003 - Ev. Ernst Knigge am Altar

Lehrte 2003

Hildesheim 2003 - Seminar mit Bischof Rainer Knigge

Vorsfelde 2004

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