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Wunden, gegen die kein Pflaster hilft

(09.03.2010) Auerbach/V. Mobbing und Gewalt... Wie können sie in Erscheinung treten? Wie kann man wirksam vorbeugen? Wie geht man mit ihnen um? All das war Inhalt der Jugendstunde am Abend des 9. März 2010. Ca. 70 Jugendliche der Gemeinden Markneukirchen, Falkenstein, Auerbach, Lengenfeld, Reichenbach, Greiz, Jößnitz, Oelsnitz und Plauen waren mit ihren Jugendbetreuern zusammengekommen, um sich von Polizeihauptkommissar Michael Hendel, Beauftragter für Kinder- und Jugendprävention in der Regionaldirektion Auerbach, und Polizist Peter Keilhack über die Problematik anschaulich informieren zu lassen.

(Auerbach/V.) Mobbing und Gewalt... Wie können sie in Erscheinung treten? Wie kann man wirksam vorbeugen? Wie geht man mit ihnen um? All das war Inhalt der Jugendstunde am Abend des 9. März 2010. Ca. 70 Jugendliche der Gemeinden Markneukirchen, Falkenstein, Auerbach, Lengenfeld, Reichenbach, Greiz, Jößnitz, Oelsnitz und Plauen waren mit ihren Jugendbetreuern zusammengekommen, um sich von Polizeihauptkommissar Michael Hendel, Beauftragter für Kinder- und Jugendprävention in der Regionaldirektion Auerbach, und Polizist Peter Keilhack über die Problematik anschaulich informieren zu lassen.

Auf dem Weg durch die Kinder- und Jugendzeit treten vielfältige, entgegengesetzte Handlungstendenzen auf. Sie gehören zum Leben und können durchaus konstruktiv, ja anregend und entwicklungsförderlich sein. Zu einem Problem werden sie immer dann, wenn sie sich nicht miteinander vereinbaren lassen. Sie entwickeln sich in solchen Fällen zu Konflikten. Wenn diese nicht angemessen gelöst werden, können sie schließlich eskalieren.
Die Eskalation hat viele Gesichter: Mobbing, Bedrohung, Erpressung, Unterdrückung, Anfeindung und Prügel. Schon in der Schule sind lt. Statistik fünf bis zehn Prozent der Unfälle auf Gewalt zurückzuführen. Mobbing- und Gewaltprävention geht deshalb alle an.

Die Hemmschwelle der Gewalt ist gesunken. Regeln und Grenzen, die ein "normales", respektvolles Miteinander gewährleisten, verschwinden zunehmend aus unserem Alltag. Im Gegenzug dazu verbreitert sich das Spektrum von gewalttätigen Handlungen: physische und psychische Schmerzen, Verletzung von Persönlichkeitsrechten, Beschädigung von Gegenständen.

Wann spricht man von Gewalt?

Polizeihauptkommissar Michael Hendel sprach in diesem Zusammenhang davon, dass nicht die Sichtweise des Täters, sondern grundsätzlich die Wertung/Einschätzung des Opfers darüber entscheidet, was Gewalt ist. Erscheinungsformen sind z. B. Stalking (jemandem nachstellen), Mobbing, Bullying (Tyrannei unter Jugendlichen) und Cyberbullying (Drangsalieren mit Hilfe elektronischer Mittel). Insbesondere ist eine enorme Zunahme beim Cyberbullying zu verzeichnen: So genannte Snuff-Videos (Darstellung von Tötungsabsichten mit Hilfe von Bildmontagen) und Happy-Slapping-Bildmaterial (zu deutsch "fröhliches Einschlagen") erreichen aufgrund von Internetplattformen wie z. B. YouTube und myvideo.de eine breite Öffentlichkeit.

Gewalttaten geschehen nicht einfach so. Ursachen dafür können sein: ungünstige Familienverhältnisse, die Verflechtung in eine aggressive Jugendkultur, die Entfremdung von Normen und Werten, das Leistungsversagen in Schule und Beruf, eine schlechte Qualität in der Beziehung von Kindern zu Erwachsenen usw. Man muss also immer den Täter im Zusammenhang mit seinem Umfeld sehen.

Wann spricht man von Mobbing?

Im weiteren Verlauf seines Vortrages erklärte Herr Hendel, dass der Begriff "Mobbing" aus dem Englischen von "to mob" kommt. Übersetzt bedeutet er soviel wie: über jemanden lärmend herfallen, anpöbeln, angreifen, attackieren.
Ursprünglich wurde der Begriff Mobbing vom Verhaltensforscher Konrad Lorenz für aggressives Tierverhalten benutzt. Heute wird von Mobbing gesprochen, wenn eine Person durch eine oder mehrere andere Personen über einen längeren Zeitraum systematisch und wiederholt negativen Handlungen ausgesetzt ist, somit in Unterlegenheit gerät und Schwierigkeiten hat sich zu verteidigen.Mobbing ist mehr als ein übler Streich.

Welche Auswirkungen haben Gewalttaten?

"Ein untrügliches Signal, wie wohl bzw. wie unwohl man sich fühlt, gibt unser Bauch" so Polizeihauptkommissar Michael Hendel. Gewalttätigkeiten wirken sich auf das Leben und die Gesundheit des Betroffenen negativ aus. Gezielter Psychoterror und gezielte Gewaltanwendung führen zwangsläufig zu seelischen bzw. körperlichen Beschwerden - unabhängig vom Alter. Die Folgen reichen beispielsweise bei Mobbing von Schlaflosigkeit, Migräne, Bluthochdruck bis zu Magen-Darm-Geschwüren, Herzinfarkt und Schlaganfall.

Was kann man präventiv tun?

"Umfassende Aufklärung ist das A und O bei der Prävention" brachte Polizeihauptkommissar Michael Hendel es auf den Punkt. Die Beamten gehen deshalb in Kindergärten, Schulen und andere Einrichtungen, wo Kinder und Jugendliche betreut werden. Bereits im Kleinkindalter wird der Grundstein für ein respektvolles Miteinander gelegt. Hierzu wusste Herr Peter Keilhack einiges aus seinem Arbeitsalltag zu berichten: Seit 23 Jahren ist er als Polizist tätig. Auf Streife hat er so manche Situation erlebt, die er den Anwesenden an diesem Abend nicht vorenthielt. Zusammenfassend sprach er davon, dass erfahrungsgemäß die Erziehung in den ersten drei Lebensjahren eines Menschen bereits maßgeblich dafür verantwortlich ist, ob er später gewaltbereiter ist als andere. Immaterielle Werte wie Liebe, Fürsorge, Zuwendung, Zeit sind besonders in dieser Phase außerordentlich wichtig. Kinder, die in einem Zuhause aufwachsen, wo christliche Werte wie Liebe, Vertrauen, Verstehen, Toleranz, Gemeinschaftssinn, Nächstenliebe, Akzeptanz und Respekt, maßvolles Geben und Nehmen vorgelebt werden, sind weitaus weniger anfällig für Gewalt- und Straftaten.

Woran merkt man, dass Mobbing oder andere Gewaltformen angewandt worden sind und wie kann man den Opfern helfen?

Anzeichen für Mobbing und Gewalt können sein: Das Kind bzw. der Jugendliche hat keine Lust mehr zur Schule oder auf Arbeit zu gehen, seine Leistung lassen nach, der Betroffene zieht sich zurück, er wirkt niedergeschlagen, er weist Störungen im Essverhalten auf, er leidet unter Schlafstörungen, es treten sprachliche Auffälligkeiten wie z. B. Stottern auf, er hat Verletzungen, Geld und andere Wertgegenstände gehen grundlos verloren uvm.
Wenn Eltern den Verdacht haben, dass ihr Kind z. B. gemobbt wird, müssen sie aktiv werden. Erste wichtige Maßnahme ist das einfühlsame Gespräch. Der Betroffene muss spüren, dass seine Eltern bzw. die von ihm ins Vertrauen gezogene Person(en) hinter ihm stehen, sie ihn ernst nehmen und ihm helfen werden. Gemeinsam muss ein Lösungsweg erarbeitet werden, um den Betreffenden aus der Mobbing-/ bzw. Gewaltsituation zu befreien.

Grundsätzlich muss darauf geachtet werden, dass die Hilfestellung immer vom Opfer, von der Gewalttat und vom Vorgehen des Täters abhängig ist. Das heißt, dass es immer eine Einzelfallentscheidung sein muss. Hilfen sollten immer in Absprache mit dem Opfer gegeben werden. Denn es ist wichtig, dass der Helfende akzeptiert und respektiert, inwieweit sich das Opfer helfen lassen will, sonst kann sich die Hilfestellung kontraproduktiv auf die Verarbeitung des Erlebten auswirken.

Fazit

Bereits Worte können Wunden schlagen, gegen die kein Pflaster hilft. Deshalb gilt: Wehren wir doch den Anfängen und behandeln wir unseren Nächsten so, wie wir von ihm behandelt werden möchten. Reden wir noch mehr miteinander, anstatt übereinander. Nehmen wir uns die Zeit und hören wir unserem Nächsten aufmerksam zu, wenn er uns etwas sagt.

Wünschenswert wäre, wenn dieses Thema in weiteren Informations- und Gesprächsveranstaltungen fortgesetzt werden würde, denn der Gedankenaustausch im Anschluss an den Vortrag von Polizeihauptkommissar Michael Hendel hat gezeigt, dass zu diesem Thema viel Gesprächsbedarf auch unter unseren Jugendlichen besteht.

Text: S.C./Fotos: U.S.

Weitere Informationen erhältlich unter:

Mobbingberatung für Schüler, Lehrer und Eltern

Schulpsychologische Beratungsstelle in Deutschland

Webportal: Schüler-Mobbing

Unterstützungsnetzwerk bei Mobbing von Kindern und Jugendlichen

kostenlose Hotline von T-Mobile
täglich zwischen 8 und 20 Uhr unter der Rufnummer 0800- 33 88 77 6 erreichbar
Informationen im Internet unter www.t-mobile.de/elternhotline

kostenlose Vodafone-Hotline
täglich 24 Stunden unter der Rufnummer 0800 172 1212 erreichbar

 

online seit 16.03.2010
Kategorien: Jugend

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