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Beten für eine Aufführung mit Tiefgang

(20.10.2013) Halle. Rund 120 Sänger aus Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen probten erneut für den Internationalen Kirchentag 2014 in München. Hinter dem Oratorium verbirgt sich ein vielseitiger Kirchenmusiker.

Am Sonntag, den 20. Oktober, fand in Halle die zweite Probe für das Oratorium „David – Sänger, König und Poet“ statt. An diesem Tag waren es noch 229 Tage bis zum großen Auftritt beim Internationalen Kirchentag. Die Spannung steigt, vor allem seit bekannt ist, dass der Chor aus Mitteldeutschland in der großen Olympiahalle auftreten wird, direkt nach der Eröffnungsveranstaltung. Wenn um 20:30 Uhr die ersten Töne des David-Oratoriums erklingen, werden hoffentlich die meisten Plätze gefüllt sein, so der Wunsch der Musiker. Immerhin 10.000 Zuschauer fasst diese Halle. Ein Grund, warum bereits in der Probe Gänsehautstimmung aufkam. Ein anderer Grund war die Musik selbst. Vor allem dann, wenn es im Oratorium still wurde, etwa bei dem Lied „Wir rufen in Trauer.“ Die Eindringlichkeit der Komposition ist Grund, einen genaueren Blick auf den Komponisten und sein Werk zu werfen.

Klaus Heizmann wurde 1944 in Haan im Rheinland geboren. Der Dirigent, Komponist, Musikproduzent und Musiklektor ist in der Neuapostolischen Kirche kein Unbekannter. Bereits im Jahr 2008 führte der Rhein-Main-Kinderchor der Neuapostolischen Kirche sein Kindermusical „Zachäus Zastermann“ auf, damals eine Welturaufführung. Klaus Heizmann war einer der ersten Komponisten in Deutschland überhaupt, der Kindermusicals schrieb und damit eine „Kindermusical-Welle“ in Gang setzte. Beim Europa-Jugendtag 2009 in Düsseldorf gab es eine weitere Uraufführung eines Werkes von Klaus Heizmann, das Jesus-Oratorium. Heute lebt er mit seiner Familie in Wiesbaden und leitet neben seiner künstlerischen Arbeit den Musikverlag „Haus der Musik, Wiesbaden.“ Im Interview stellt er sich Fragen zum David-Oratorium.

Herr Heizmann, wie wurde die Idee geboren, ein Oratorium über die Gestalt des Königs David zu erschaffen?

David hat mich schon seit meiner Kindheit begeistert, denn er ist eine faszinierende Persönlichkeit. Die Idee, ein Oratorium über ihn zu schreiben, kam mir schon vor 20 Jahren. Das Problem war: Welche Person schreibt mir nicht nur ein künstlerisch wertvolles und theologisch fundiertes Libretto, sondern auch inhaltlich und fachlich gute Liedtexte? Denn im christlichen Bereich gibt es ja kaum noch erfahrene Spezialisten, die ihr Handwerk auf diesem Gebiet verstehen. Als ich den bekannten Texter Johannes Jourdan, der schon mehrere Oratorientexte für mich geschrieben hatte, für dieses Werk gewinnen konnte, war das Problem gelöst. Die kompositorische Arbeit konnte beginnen.

In welchem Zeitraum ist das Oratorium entstanden?

Zwischen Herbst 2003 und Juni 2004.

Was bedeutet König David für Sie?

David war nicht nur Politiker, Krieger und Landesherr, sondern auch eine sensible Persönlichkeit. Seine Sprache ist von hohem Niveau. Aus manchen Psalmgesängen sprudeln Freude und Hingabe, in anderen klingt der Schrei aus der Tiefe nach einem gerechten und gnädigen Gott. Seine Ehrlichkeit berührt mich sehr. Seine Psalmen sind für mich ein Stück Lebenshilfe.

Welche Musikstile herrschen im Oratorium vor?

In diesem Oratorium verschmelzen spätromantische Klänge mit israelischer Folklore und den Stilelementen, die heute im 21. Jahrhundert in der Popmusik gebräuchlich sind.

Welchem Genre lässt sich das David-Oratorium am besten zuordnen, oder ist es etwas ganz anderes?

Es ist eine Weiterentwicklung der Oratorien, die bis zum heutigen Tag geschrieben wurden – also ein Werk des 21. Jahrhunderts. Ein wenig anders darin ist, dass es keine gesungenen Rezitative gibt, sondern gesprochenen Text. Auch das Schlagzeug, das ganz im Sinne von Psalm 150 (Das große Halleluja, Anm. d. Red.) eingesetzt wird, wird man in älteren Werken nicht finden.

Welche Stationen aus dem Leben des Königs David kommen im Oratorium vor? Wo liegen Schwerpunkte?

Es ist schon eine große Herausforderung, in ca. 100 Minuten das Leben einer solchen Persönlichkeit musikalisch wiederzugeben. Seine Erwählung als König, die Geschichte von David und Goliat, sein Fehltritt mit Batseba und seine Freundschaft zu Jonathan durften nicht fehlen. Aber vor allem ging es mir darum, die geistliche Einstellung dieses Mannes in Freud und Leid zu schildern, damit sie den Zuhörern noch heute eine Orientierung und Lebenshilfe bietet.

Wir entnehmen es dem biblischen Bericht und auch der Titel des Oratoriums deutet es an, David war eine facettenreiche Person. Gibt es einen Wesenszug, der Ihnen besonders wichtig ist?

David ist grundsätzlich ehrlich, was man von den heutigen Politikern kaum mehr sagen kann. Er beschreibt in den Psalmen die Höhen (Der Herr ist mein Hirte) und die Tiefen (Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir) seines Lebens mit Gott. Bis in unsere Zeit hinein stärkt uns seine Weisheit, und sein prophetisches Auge lässt uns ehrfürchtig werden. Er schämt sich nicht seiner Schwachheit und seines Versagens vor Gott und den Menschen. In den Psalmen ist er radikal ehrlich; hier spricht Seele zu Seele. Deshalb verbinden uns beim Hören dieses Oratoriums heute mit David Vertrauen und eine innere Verbundenheit, die 3.000 Jahre Geschichte überdauert haben.

Gibt es für Sie ein Lieblingsstück im Oratorium?

Letztendlich liegt in allen Teilen des Werkes mein Herzblut. Aber es gibt auch zwei Lieblingsstücke: Der „Psalm 23“ und der Chor „Du bist meine Stärke! Du hast mir geholfen“.

Wie oft wurde das Oratorium schon aufgeführt?

Es ist ja noch relativ jung. Aber ca. 500 Aufführungen bis zum heutigen Tag zeigen an, dass dieses Oratorium seinen Weg machen wird. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Paraguay, in der Schweiz und Österreich wurde es bereits aufgeführt.

Wird es hauptsächlich von Laienchören aufgeführt?

Ja, wenn Sie damit die Kantoreien aller Konfessionen und Gesangsvereine meinen, in denen es viele Laiensänger gibt. Denn schließlich gibt es in Deutschland ja nur eine Handvoll Berufschöre.

Wie reagieren Zuhörer auf das Oratorium?

Bei den Aufführungen, bei denen ich anwesend war, gab es tiefe Betroffenheit, Freude und Begeisterung. Immer wieder höre ich in persönlichen Gesprächen, aber auch in E-Mails und Briefen, dass die Zuhörer den David in einem ganz neuen Licht sehen.

Was raten Sie einem Sänger oder einem Spieler, der bei einer Aufführung Ihres Oratoriums mitwirkt?

Beten Sie für den Dirigenten, die Organisatoren sowie für alle Mitwirkenden, damit es eine segensreiche Aufführung mit Tiefgang wird. Hören Sie bewusst auf die Texte des Werkes und fragen Sie sich immer, was sie Ihnen noch heute in Ihrem Leben zu sagen haben.

Herr Heizmann, vielen Dank für das Interview!

Text: M.I. / Fotos: U.S

online seit 28.10.2013
Kategorien: Musikalische Aktivitäten, Startseite, Regionale Meldungen

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